27 Mar, 2017
Text Size

Motorschiff "Pritzerbe"

Das Motorgüterschiff (MS) "Pritzerbe" wurde 1955 auf der Werft der „Hilgers AG" in Rheinbrohl am Rhein als MS "Rhein - Ruhr 6" gebaut. Bis Ostern 2002 arbeitete eine Deutz - Maschine mit gleichem Baujahr und 560 PS/412KW zuverlässig als Schiffsantrieb.

Im Jahr 1974 war laut Eichschein der Name dieses Schiffes MS "Rhenus 116" der "Fendel - Stinnes AG" und es wurde als Zugschiff eines Koppelverbandes eingesetzt. Dabei wurden zur Betriebskostenersparnis 2 Motorschiffe über einen starren Verbindungsarm (wie Abschleppstange) miteinander verbunden und nur das vordere Schiff hatte die Schiffsschraube am Laufen. Beim hinteren Schiff wurde nur vom Vorderen die Ruderanlage bedient. Nach ca. 10 Jahren löste man diese Koppelverbände wieder auf.

Ab 1986 hatte das Schiff den Namen MS "Hildegard" vom neuen Schiffseigner Berlage bekommen. Der Schiffseiger Lübkes, der das Schiff 1992 kaufte, nannte es MS "Dione". Als der jetzige Eigner, Joachim Strenge aus Schöneiche, das Schiff als Zweitschiff im April 1999 kaufte, stellte er mich als Kapitän ein. Da sein erstes Schiff einen Städtenamen führte, schlug ich den Schiffsnamen MS „Pritzerbe" vor.

Nach der SUK (Schiffsuntersuchungskommission) - Abnahme (TÜV für Schiffe) erhielt das Schiff am 16.6.1999 offiziell den Namen MS "Pritzerbe". Somit war ich als der derzeit letzte tätige Pritzerber Schiffer auf dem MS "Pritzerbe" als Kapitän eingesetzt. Mit dem MS "Pritzerbe" führt seit 73 Jahren wieder ein Schiff den Namen unserer Stadt. Damals war es der in Roßlau / Elbe 1887 für die " Elbe- und Saale- Dampfschifffahrtsgesellschaft" gebaute Hinterraddampfer "Pritzerbe", der nach mehreren Eignerwechseln, auch beim Reeder Franz Fermum aus Spandau, den Schiffsnamen behielt. Erst als 1926 der Dampfer zur Warthe verkauft wurde, erhielt er den Namen "Atlas". Ob auch auf dem Hinterraddampfer "Pritzerbe" Schiffer aus Pritzerbe tätig waren, konnte ich noch nicht klären. Nach 1945 war der Dampfer unter dem Namen "Rion" bis 1955 im Einsatz.

MS "Pritzerbe" ist 80 m lang und 8,20 m breit und hat eine Tragfähigkeit von 1098 t. Seit dem 15.07.2002 bin ich nicht mehr auf dem MS "Pritzerbe" gefahren, da ich in meiner Freischicht zum 30.8.2002 entlassen wurde. Daher kann ich für den Zeitraum danach keine Angaben machen.

Am 21.01. 2011 wurde das Schiff in Minden gesehen. Nach mehreren Pannen und Reparaturen lag das Schiff in Minden still und wurde jetzt (Oktober/ November 2011) verkauft. Neuer Eigner und eventuell neuer Schiffsname ist mir noch nicht bekannt und wird später nachgereicht. Es ist aber zu vermuten, dass nach über 12 Jahren kein Motorgüterschiff mehr mit dem Namen "Pritzerbe" fährt.       

Am 25.01.2013 war die Überraschung groß, denn MS "Pritzerbe" lag im Oberwasser des Schiffshebewerkes Scharnebeck/Lüneburg. Mit dem neuen Eigner konnte noch kein Kontakt aufgenommen werden, ob er den Namen beibehalten will.

Als ich Kontakt zum Eigner bekam, war er sich noch nicht schlüssig, ob er den Schiffsnamen beibehalten will. Falls er den Schiffsnamen beibehält, habe ich ihm eine Ehrenmitgliedschaft im Pritzerber Schifffahrtsverein 1776 e.V. angeboten. Er war interessiert. Zwischenzeitlich wurde das Schiff weiter verkauft. Die angebotene Ehrenmitgliedschaft wurde auch an den neuen Eigner weiter gereicht.  Ich hatte noch keinen Kontakt zum neuen Eigner, konnte aber das Schiff am 31.07.2013 in Genthin von Land aus noch als MS "Pritzerbe" sehen.

Am 13.02.2014 früh morgens habe ich das Schiff an der Schleuse Uelzen im Unterwasser gesehen. Leider war der jetzige Eigner noch nicht im Dienst. Auch einen neuen Heimathafen konnte ich noch nicht erkennen.

Letztmalig habe ich am 29.04.2014 das Schiff auf dem Plauer See unter dem Namen "Pritzerbe" gesehen. Damit sind nach fast 15 Jahren die Fahrten von MS "Pritzerbe" durch Europa Geschichte. Seit Anfang Mai 2014 trägt das Schiff den neuen Namen "Maria- Irene" mit Heimathafen Petershagen an der Weser. Der neue Eigner hatte nach eigener Aussage keine Beziehung zu Pritzerbe, daher die Namensänderung. Aus seiner Sicht verständlich.

Nach einem Getriebeschaden im September 2014 war das Schicksal des Schiffes besiegelt und die Verschrottung erfolgte im November 2014 in Papenburg.