27 Mar, 2017
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Überblick der Pritzerber Schiffahrtsgeschichte

Der Millionenbau

Siegfried

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges mussten an vielen deutschen Werften Schiffsneubauten als Reparationsleistung für die Siegermächte ausgeführt werden. Schiffbaumeister Robert Heuser aus Pritzerbe, baute 2 Penischen zusammen. Weitere Schiffsbauten während der Inflationszeit und kurz danach, also Anfang bis Mitte der zwanziger Jahre, konnte ich bisher nicht finden.

Um den Schiffbau in Pritzerbe neu zu beleben, entschlossen sich die Pritzerber Schiffer und Partner Ernst Friesecke und Georg Meier bei dem Schiffbaumeister Wilhelm Paelegrim, Pritzerbe, einen Kahn in Auftrag zu geben, der vollständig aus Eisen bestehen sollte. Bisher wurden in Pritzerbe nur Kompositbauten angefertigt, außer den zwei bei Robert Heuser montierten Penischen, bei denen der Schiffsboden aus Holz und die Bordwände aus Eisen bestanden, die Kajüten waren in den Schiffskörper eingebaut. Der Neubau sollte ein Groß - Plauer - Maßkahn werden, also 67 m lang und 8,20 m breit, mit 900t Tragfähigkeit. Die Kajüte sollte oben aufgebaut sein, wie zu dieser Zeit schon an vielen Werften gebaut wurde. Anstelle eines Helmholzruders sollte ein einflächiges Schweberuder unter dem Rundheck Verwendung finden. Diese Bauweise war für den Schiffbaumeister Paelegrim Neuland und so konnte er den Auftraggebern keinen konkreten Kostenvoranschlag erstellen. Die Spar- und Darlehenskasse der Pritzerber Kahnversicherung übernahm Teile der Baufinanzierung.

Der Baubeginn (Kiellegung) erfolgte im Frühjahr 1927 und es stellten sich erhebliche Schwierigkeiten bei der Bauausführung ein. Es mussten außerdem verschiedene Zulieferer in Anspruch genommen werden. Ruder, Hintersteven, Schleppzaum und andere Schmiedeteile wurden von der Werft Gebr. Wiemann, Brandenburg angefertigt und geliefert. Von der Firma Sander & Sohn aus Vlotho / Weser wurden die Rudermaschine, die Anker und die Ketten geliefert. Die Winden kamen von der Firma Bettin aus Tangermünde. All dieses erhöhte die Baukosten für das Schiff erheblich, so dass die Partner Friesecke und Meier einen Käufer für das im Bau befindliche Schiff suchten, dass den Namen „ Luzie - Charlotte “ tragen sollte.

Der Schiffseigner Richard Wuttke aus Rogätz / Elbe, der seinerseits ein neues Schiff suchte, hörte in der Pritzerber Kahnversicherung von diesem, zum Verkauf stehenden Projekt. Er kannte die Qualität der Werft Paelegrim, da er einen Kahn fuhr, den sich 1912 Ernst Weber von dieser Werft hatte bauen lassen. Durch mündlichen Vertrag übernahm Richard Wuttke den Rohbau im August / September 1927 und ließ ihn nach seinen Wünschen fertig bauen. Die Schiffstaufe auf den Namen „ Siegfried “ und der Stapellauf fand im April 1928 statt. Am 26.7.1928 wurde das Schiff mit einer Tragfähigkeit von 912 t unter der Blatt- Nummer 122 in das Binnenschiffsregister des Amtsgerichts Wolmirstedt eingetragen.

  • Schleppkahn `Siegfried`Schleppkahn `Siegfried`
  • Schleppkahn `Siegfried`Schleppkahn `Siegfried`
  • Schleppkahn `Siegfried`Schleppkahn `Siegfried`
  • Schleppkahn `Siegfried`Schleppkahn `Siegfried`
 

Durch die überdurchschnittlich hohen Baukosten für dieses Schiff, erhielt dieser Schiffbau in Pritzerbe den Beinamen „ Der Millionenbau “. Nach diesem Schiff wurden nur noch zwei Groß - Finow - Maßkähne ( 42 m x 5,10 ) gebaut, damit endete 1929 der Schiffbau in Pritzerbe, der mindestens bis 1863 zurück zu verfolgen ist. Die Weltwirtschaftskrise dürfte am Untergang des Schiffbaus in Pritzerbe mit schuld gewesen sein. Das Schiff „Siegfried“ wurde 1945, wie sehr viele andere auch, von der sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und war somit für den Eigner verloren.

Ernst Friesecke, der als Ausgleich den Kahn von 1912 übernommen hatte, ließ sich 1929/30 in Martenshoek / Holland ein Schiff bauen, das er „ Adalbert - Charlotte “ nannte. 1934 verkaufte er dieses und versuchte sich in der Küstenmotorschifffahrt. Der neue Eigner nannte das Schiff „ Borelli “ und motorisierte es Anfang der 60er Jahre. Im Frühjahr 2000 wurde es nach Holland verkauft und erhielt den Namen „Diana“. Nach einem Maschinenschaden im Oktober 2000 ist das Schicksal dieses Schiffes ungewiss, es wurde nicht mehr gesehen.

  • Schleppkahn `Borelli`Schleppkahn `Borelli`
  • MS `Borelli`MS `Borelli`
  • MS `Borelli`MS `Borelli`
  • MS `Borelli`MS `Borelli`
 

Georg Meier fuhr zunächst mit einem Schiff Baujahr 1906 und kaufte um 1930 das als „Minna“ 1927 in Heusden / Holland gebaute Schiff und nannte es „ Luzie “. 1950 wurde es motorisiert und 1972 von der Witwe Anna Meier an Paul Becker, Bremen verkauft. Hier erhielt das Schiff den Namen „ Burghorn “ und war seit 1990 als „ Panda “ Eigner Lutz Siebert, Plaue, in Fahrt. Anfang 2011 kaufte Ronny Bösefeldt aus Halberstadt das Schiff und nun ist es als "Lucas" unterwegs.

  • MS `Luzie`MS `Luzie`
  • MS `Burghorn`MS `Burghorn`
  • MS `Panda`MS `Panda`
  • MS `Lucas`MS `Lucas`