29 Apr, 2017
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Überblick der Pritzerber Schiffahrtsgeschichte

Die Pritzerber Schifferinnung

Am 28.2.1776 wurde die Pritzerber Schifferinnung als Schiffer- und Fischergilde gegründet. Sie war, nach Überlieferungen, die Erste in der Mark Brandenburg. Aber nur 4 Jahr später erfolgte die Gründung des Rietzer Scheppervereins, der bis heute existiert und die alte Tradition des Umzuges fortsetzt, aber nur noch als Begräbnisverein tätig ist.

Bereits einige Jahre nach der Gründung der Schiffer- und Fischergilde trennten sich die Fischer und die Schiffergilde wurde eigenständig mit eigenem Statut, das der Pfarrer i.R. Ulrich Buchholz aus Brandenburg gefunden und für uns überliefert hat. (veröffentlicht im Rathenower Heimatkalender 1983 S. 52 - 60)

Aus der Pritzerber Schifferinnung heraus wurde im Jahr ihres 100 jährigen Bestehens 1876 die Pritzerber Kahnversicherungs- Gesellschaft a.G. gegründet, die auch eine Zweigstelle in Hamburg unterhielt. Die Spar- und Darlehenskasse der Pritzerber Kahnversicherung übernahm unter anderem auch die Finanzierung von Schiffsneubauten.

Im seit 1925 gesellschaftseigenem Haus in der Kirchstr. 11 waren die Büros untergebracht.

Die Schifferinnung betrieb eine eigene Innungskrankenkasse und war auch ab 1899 für die Ausbildung in der Schifferfachschule Pritzerbe zuständig. Sie stellte Führungszeugnisse aus, die den ausgebildeten Schiffern als Empfehlung bei anderen Schiffseignern, Reedereien und Schifferinnungen dienen sollten. Außerdem wurden auf den Lehrgängen der Schifferfachschule die Bootsmänner auf die Schifferpatentprüfung vorbereitet.

Die letzten Lehrgänge fanden in den 30er Jahren statt.

Durch die Ergebnisse des zweiten Weltkrieges war vermutlich die Einigkeit unter den Mitgliedern der Schifferinnung zerstört, denn 16 Pritzerber Schiffseigner hatten ihre Schiffe durch Beschlagnahme der Roten Armee verloren, dazu kam das Leid durch die gefallenen Familien- und Innungsmitglieder.

18 Schiffseigner konnten ihre Schiffe behalten bzw. bekamen sie von den Westsiegermächten zurück. Von diesen 18 mussten bis 1948 drei Schiffseigner ihre Schiffe wegen Kriegsschäden bzw. wegen Alter ihrer Schiffe abwracken. Sieben Schiffseigner blieben bzw. gingen in die Westzonen. Durch die Aufteilung in Besatzungszonen war es den angestellten Pritzerber Schiffern nicht mehr möglich, ihre Arbeitsplätze am Rhein und Unterelbe zu erreichen.

Die verbliebenen 8 Pritzerber Schiffseigner gaben in den 50er und 60er Jahren auf, verkauften ihre Schiffe oder ließen sie abwracken. Nur einer, Bruno Brose, war bis zu seinem Tod 1985 im 84. Lebensjahr aktiv und somit der letzte Pritzerber Schiffseigner mit einem original erhaltenen Schiffbau der Werft Paelegrim von 1911. Erst 1987 wurde dieses Schiff in Aken abgewrackt. Werft- und Namensschilder sind erhalten geblieben.

Nachdem Reeder Axel Otto sich mit seinem Fahrgastschiff- und Charterbetrieb 2009 in Pritzerbe angesiedelt hatte, wurde die Idee geboren, an die Geschichte der Pritzerber Schifferinnung anzuknüpfen. Das geschichtsträchtige Gründungsdatum der Schifferinnung vor Augen, wurde von 15 Personen, die mit Schifffahrt und Schiff- bzw. Bootsbau verbunden sind, am gleichen Tag, 28.02.2011, der Pritzerber Schifffahrtsverein 1776 e.V. gegründet.