27 Mar, 2017
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Überblick der Pritzerber Schiffahrtsgeschichte

Die Pritzerber Kahnversicherungs- Gesellschaft a.G.

Dem industriellen Aufschwung in Deutschland nach dem deutsch- französischen Krieg 1870/71 folgte auch eine weitere Zunahme des Schiffsverkehrs. Schon nach der französischen Besatzungszeit wurde durch die Einführung der Gewerbefreiheit eine Belebung der Schifffahrt möglich und es erhielten im Jahr 1815 fünfzehn Pritzerber Schiffseigner die Genehmigung, die Elbe zu befahren.

Ebenso zwei Eigner aus Fohrde und drei aus Kützkow. Im Jahr 1867 waren in Pritzerbe 61, in Fohrde 5 und in Kützkow 2 Schiffe beheimatet. Damit zählte Pritzerbe zu einem der Schiffahrtszentren in dieser Region.

Die am 28.2.1776 gegründete Schiffer- und Fischergilde hatte unter anderem die Aufgabe einer Sterbekasse übernommen, um Härtefälle beim Tod des "Ernährers" zu mildern. Durch Beiträge konnte man sich auch gegen Schäden an Schiff und Ladung, sowie gegen Verlust des Schiffes absichern. Da diese "Versicherung" von der  Schifferinnung nicht mehr getragen werden konnte, wurde die Gründung der “Pritzerber Kahnversicherungs- Gesellschaft a.G.” (a.G. steht für “auf Gegenseitigkeit”) vollzogen, deren erstes Statut im Jahr 1876 in Kraft gesetzt wurde.

Der Pritzerber Reeder Friedrich Speck, Eigner von 5 Schiffen, wurde der Direktor und in seinem Haus in der Kirchstr. 16 befand sich das erste Büro der Gesellschaft. Die Pritzerber Kahnversicherungs- Gesellschaft a.G. hatte aus dem nahen und fernen Umland viele Versicherte und unterhielt später sogar in Hamburg eine Zweigstelle.

Im Jahr 1900 hatte die Gesellschaft schon 431 Schiffe mit einem Wert von 2.569.200,- Mark versichert. Obwohl im Jahr 1900  2.101,21 Mark mehr ausgegeben als eingenommen wurden, betrug der Reservebestand der Gesellschaft am 1.1.1901 noch 49.600,63 Mark.

Das Büro im Hause von Direktor Friedrich Speck wurde zu klein. Daraufhin miete die Gesellschaft im Haus von Bruno Fleschner, Kirchstr. 11 einen Büroraum an. Am 20.11.1925 kaufte die Pritzerber Kahnversicherungs- Gesellschaft für 13.000,- Mark das Hausgrundstück von Bruno Fleschner, Kirchstr. 11, und ließ es im Jahr 1928 für insgesamt 4.819,- Mark aufstocken.

Durch die guten Versicherungsgeschäfte, es waren bis zu 750 Schiffe hier versichert, hat sich die Kahnversicherungs- Gesellschaft auch auf das Bankwesen ausgedehnt.

Die Spar- und Darlehenskasse der Pritzerber Kahnversicherungs- Gesellschaft a.G. übernahm unter anderem auch die Finanzierung von Schiffsneubauten, auch an auswärtigen Werften, denn 1929 ging in Pritzerbe der Schiffbau zu Ende, als die letzten zwei Schiffe fertig gestellt waren.

Per Gesetz vom August 1946, in dem nur eine Versicherungsanstalt im Land Brandenburg zugelassen wurde, wurde die "Pritzerber Kahnversicherung- Gesellschaft a.G." samt eigenem Gebäude der Versicherungsanstalt des Landes Brandenburg übertragen. Die Kahnversicherung hörte somit auf zu existieren. Die Versicherungsverträge wurden, soweit mir bekannt ist, nicht übernommen, daher mussten viele Pritzerber Schiffseigner und auch andere den Verlust, bzw. die Beschädigung der Schiffe durch den Krieg selbst verkraften. Bei Kriegsereignissen haften bis heute keine Versicherungen.

Das Grundstück Kirchstr. 11 wurde später dem “Rat der Stadt Pritzerbe” übertragen und war immer noch, auch nach einem unberechtigten und daher abgelehnten Restitutionsantrag, im Besitz der Stadt Pritzerbe.

2009 hat die Stadt das Grundstück verkauft und der neue Eigentümer hat es aufwendig und sehr schön bis 2011, als ein Stadtbild prägendes Objekt  saniert.