29 Apr, 2017
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Die Burg zu Pritzerbe

Viele Historiker haben sich mit den Fragen zur Pritzerber Burg beschäftigt und ihre wenigen Erkenntnisse veröffentlicht. Diese bekannten Fakten sollen hier in einem besonderen Zusammenhang dargestellt werden. Es wird weder etwas verändert noch hinzugefügt...

 

Bekannt sind folgende Fakten, die hier neu interpretiert werden:

  • Pritzerbe bildete laut Urkunde von 1161 den Mittelpunkt eines Burgbezirks (Burgwardium)
  • in Pritzerbe wurden Bischofstagungen abgehalten, der letzte 1548 schon in der Pfarre
  • am 25. August 1550 kaufen Hans und Kuno von Rosenberg die wüste Schlossstelle und den daneben gelegenen Garten, den Andreas Breslau inne hat
  • die Brüder Hans und Kuno von Rosenberg hatten bis 1585 das Schloss Kützkow zu Lehen
  • am 13.März 1672 sind bei Amtshandlungen in Pritzerbe zugegen u.a. der Richter Franz Breslau

Ausgehend von der Tatsache, dass Pritzerbe und Ziesar in der Gründungsurkunde des Bistums Brandenburg von 948 als Städte genannt wurden, setzt voraus, dass sie gleichwertig waren. Nimmt man nun an, dass die Burganlagen seinerzeit unter den gleichen Gesichtspunkten zur Funktionalität, zur Sicherheit und zur Anordnung errichtet wurden, so könnte die Pritzerber Burg der Burganlage von Ziesar geähnelt haben.

Da die letzte Bischofstagung schon in der Pfarre statt fand, war die Burg wahrscheinlich schon zerstört. Erst seit 1598 sind große Brände überliefert, daher könnte ein Brand schon vorher die Burganlage zerstört haben.

Alle späteren Besitzer der wüsten Schlossstätte waren an einem Wiederaufbau vermutlich nicht interessiert, da sie ihren Sitz in Kützkow und auch Plaue hatten. Nur als eventueller Fluchtweg durch den noch zu suchenden Haveltunnel, war diese Stelle interessant. Vielleicht fehlten auch der Nachwuchs oder das Geld, um die Schlossanlage wieder zu errichten.

Die Familie Breslau stellte über Jahrzehnte den Richter in Pritzerbe. Der Schlossgarten wurde von ihnen bewirtschaftet. Im Weichbild Pritzerbe von 1811 ist ein Erbrichtergut zwischen Richterstrasse, Kirchstr. und Havelstraße bezeichnet. Das könnte der Schlossgarten gewesen sein.

Wenn alle diese Erkenntnisse zusammen gefasst werden, dann ergibt sich folgendes Bild:

Die Burg- oder Schlossanlage befand sich auf dem Gelände zwischen Richterstrasse, Schiffbauergang und dem Havelufer, das noch 1737 an der heutige Rathaustreppe lag. Der Stimming´sche Mühlenberg lag auf einer vorgelagerten Landzunge und darauf befand sich der Bergfried oder Burgturm mit der weiten Aussicht nach Bahnitz, Hohenferchesar, Fohrde, Tieckow und natürlich auch nach Kützkow. Der abgewinkelte Verlauf der Kirchstr. im Bereich der Einmündung Richterstrasse könnte die Einfahrt zu Schlossanlage strategisch verdeckt haben.

Wenn man eine alte Ansicht von der Burganlage Ziesar als Spiegelbild betrachtet, passt die Burg Ziesar genau in die vermutete Örtlichkeit. Der Bergfried steht vor dem Schloss, hier auf dem Mühlenberg, Das Hauptgebäude befindet sich auf den heutigen Grundstücken den Familie Stimming (Eisdiele und Wohnhaus), das Tor war der Zugang zur Havel und ist heute die Einmündung der Kirchstr. in die Havelstraße. Die linken Nebengebäude könnten dort gestanden haben, wo sich heute das Rathaus und zwei Wohnhäuser befinden. Vielleicht findet man unter diesen Gesichtspunkten noch alte Spuren. Wie schnell eine Schlossanlage spurlos verschwinden kann, zeigte sich in Kützkow nach 1945.